Donnerstag, 27. September 2012

Tag 4: Euskirchen - Bad Münstereifel


Letzte Nacht habe ich relativ schlecht geschlafen. Immer wieder flehte mich Irgendein Körperteil an: „Dreh Dich um, entlaste mich, kannst Du nicht auf der anderen Seite liegen?" Nachdem ich mich also wunschgemäß immer mal wieder anders hingelegt habe, klingelt glücklicherweise um 8:30 Uhr der Wecker. Ich packe alles zusammen und gehe zum Frühstück. Im Gegensatz zur Unterbringung im letzten Zimmer des Hotels (war nicht besonders gemütlich, der Portier meinte auch, das wäre die Abstellkammer) ist das Frühstück 1a! Bevor ich abmarschiere, massiere ich meine Füße mit Hirschtalgcreme ein. Meine Hüfte sagt mir: Alles in Ordnung, Du kannst heute ordentlich laufen“. Meine rechte Wade mault dagegen: „Können wir nicht mal einen Tag Pause machen?“ Das lehne ich ab, und ich marschiere los. 

Kirche St. Martin in Euskirchen
Im Pfarrbüro von Euskirchen bekomme ich endlich mal wieder einen Stempel für meinen Pilgerausweis. Meine Frage, ob die Kirche geöffnet sei, wird bejaht. Als ich aber an der Pforte ziehe, rührt sie sich keinen Millimeter. Also ziehe ich ohne Kirchenbesichtigung aus Euskirchen aus. Dabei ist die erste halbe Stunde geprägt von kleinen Industrieansiedlungen, dem Blick auf eine noch funktionierende Zuckerfabrik mit ihrem weißen Dampf ausstoßenden Schornstein und etliche Industriebrachen. Dann wird es wieder ländlich. Ich durchquere Stotzheim, Arloff und Iversheim. Nachdem es morgens, bevor ich  losgegangen bin, noch einmal geregnet hat, ist heute meistens blauer Himmel zu sehen. Ab und zu zieht eine schwarzgraue Wolke auf, aus der es leicht nieselt, aber nicht so viel, dass das Regenzeug angezogen werden muss. Ich bin heute großzügig: dafür gibt es eine Kerze!

Hardtburg
Hinter Stotzheim komme ich an der Hardtburg vorbei. Sie wird von etlichen Schulklassen umschwärmt, die hier offensichtlich heimatkundlichen Unterricht haben. Die Wasserburg entstand wahrscheinlich im 11. Jahrhundert und ist sehr sehenswert. In Arloff ist ein kleine Kapelle, die Hubertuskapelle, ganz interessant, sie stammt aus dem 14. Jahrhundert. Der Weg wird langsam auch etwas hügeliger, so dass es ab und an auch bergauf oder bergab geht. Im Übrigen: Bis hierher hätte ich die Via Coloniensis auch noch mit dem Liegerad geschafft, weil alles doch relativ eben ist.

Hubertuskapelle
Unterwegs stelle ich fest, dass das Aluminiumrohr, mit dem die Deichsel mit dem Pilgerwagen verbunden ist, erneut total verbogen ist. Also überlege ich mir, was ich tun kann. Da fällt mir ein, dass ich einen Ast entsprechend zuschneiden könnte, dass er das Alu-Röhrchen passgenau ersetzt. Eie halbe Stunde bearbeitete ich mit meinem schönen Messer, das ich von den Kollegen der Landesfeuerwehrschule zum Abschied bekommen habe, den Ast, bis er passend ist. Im Moment eine perfekte Lösung – mal sehen, wie lange sie hält.

Kurz vor Bad Münstereifel mündet der von Bonn kommende Jakobsweg auf meinen Weg ein. Ich durchquere das reizende Städtchen und gelange auch bald zu der von mir gestern vorgebuchten Pension. Eine reizende ältere Dame begrüßt mich. Der Preis für Unterkunft und Frühstück beträgt 24 €. Ich darf mein Zelt, das immer noch klitschnass ist, auf der Terrasse zum Trocknen aufstellen
Blick über Bad Münstereifel
Ich gehe nochmals zurück nach Bad Münstereifel, hole mir im Pfarramt den Stempel für meinen Pilgerausweis. Anschließend ist Sightseeing angesagt. Insbesondere die Kirche „St. Chrysantus und Daria“ ist wirklich sehenswert. Es macht Spaß, das nette Städtchen anzuschauen und dabei auch ein paar Sonnenstrahlen und blauen Himmel zu genießen. In einem Lebensmittelladen kaufe ich mir ein wenig für eine abendliche Brotzeit ein. Das Zelt ist inzwischen trocken!  Prima.

Für Morgen habe ich in Blankenheim in der Jugendherberge ein Zimmer vorgebucht. Mir wird versprochen, dass ich das Mehrbettzimmer allein für mich habe.

Kerzensaldo für den 4. Tag: 2 Kerzen




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