Montag, 24. September 2012

Tag 1: Köln


Heute beginnt meine Wanderung auf der Via Coloniensis - und offensichtlich auch der Herbst.

In der vergangenen Woche hatten wir - wie alle zwei Jahre - eine gemeinsame Wanderwoche mit zwei befreundeten Ehepaaren, dieses Mal im Odenwald und im Spessart in der Nähe von Miltenberg am Main. Im Hotel/Gasthof Ohrnbachtal waren wir hervorragend untergebracht und wurden mit köstlichen Speisen verwöhnt. Auch wenn es dort direkt keinen Handyempfang gibt (man muss dazu ein paar Meter bergan laufen - ähnlich wie im Film "Pilgern auf Französisch", wo alle mit dem Handy in der Hand um einen Baum laufen) ist der Gasthof sehr zu empfehlen. Bei fünf Wanderungen legten wir insgesamt 80 Kilometer zurück. Soviel zur Vorgeschichte.


Kölner Dom und Hohenzollern-Brücke
Für den Heimweg machen wir einen kleinen Umweg über Köln, wo mich Christl bei der Jugendherberge in Köln-Deutz aussteigen lässt und dann weiter gemeinsam mit Timmi nach Hause nach Kiel fährt. Nachdem ich in der Jugendherberge eingecheckt und 28.-€ für Unterkunft und Frühstück bezahlt habe (12:00 Uhr mittags) wird mir mitgeteilt, dass das  (Mehrbett-)Zimmer erst in etwa einer Stunde frei wird. Ich gehe deshalb über die Hohenzollernbrücke (das ist die mit den vielen Liebes-Vorhängeschlössern) in die City und kaufe mir bei Globetrotter eine Regenschutzhülle für meinen Rucksack. Ich könnte zwar auch einen Müllbeutel für diesen Zweck benutzen, aber eine richtig schöne orange Regenschutzhülle erscheint mir als etwas "professioneller". 

"Liebes-Schlösser" an der Hohenzollern-Brücke
Der nächste Weg geht in den Dom, wo ich mir auch meinen ersten Pilgerstempel für die Via Coloniensis hole. Bei einem Bäcker genehmige ich mir einen Kaffee und ein Stück Apfelkuchen. Am Nebentisch sitzt eine Frau, die plötzlich ein Gespräch mit mir beginnt. Sie ist Amerikanerin und die letzte Nacht von Floriada nach Berlin und von da aus über ?zwei? weitere Stationen nach Köln geflogen. Es wird mir dann doch etwas unheimlich, als sie anfängt mir ihre Seele auszuschütten, so dass ich das Bäcker-Lokal ziemlich schnell verlasse. Anschließend geht es zurück zur Jugendherberge, wo ich mein Zimmer (und die Bettwäsche) beziehe. 


Jakobus am Portal des Kölner Domes
Da es draußen ab und zu in Strömen gießt, ziehe ich mir meine Regenjacke über. Es stürmt ziemlich stark und Äste fallen auf die Straße. Irgendwie ist gefühlsmäßig heute der erste Herbsttag. Mein Weg führt mich zunächst zum Dombüro, wo ich mir den kleinen Führer "Jakobsspuren in Köln" geben lasse und einen Cappuccino trinke. Selbstverständlich folge ich diesen Spuren dann mehrere Kilometer, wobei der Frust immer dann aufkommt, wenn man diese Spuren nicht sehen kann, weil die Kirche oder das Kloster geschlossen haben oder die Spur sich in einem nicht zugänglichen Bereich befindet. Leider bekommt mir das "Pflastertreten" mit meinen Halbschuhen nicht so gut, so dass ich es gegen 17:00 Uhr aufgebe, den Jakobus-Spuren zu folgen. Allenthalben begegnet man Bettlern, die meist mit "Hunde-Partnern" auf die Tränendrüsen der Leute drücken. Mir tun eigentlich nur die Hunde leid, dass sie in solch einem Rudel leben müssen.

Zurück auf der anderen Rheinseite suche ich mir in Köln-Deutz einen Platz bei einem Mexikaner, wo ich mein Abendessen bekomme. (Hat gut geschmeckt: Spare-Ribs!)

Morgen werde ich die ersten Kilometer von insgesamt 268 Kilometern (laut Outdoor-Wanderführer) in Angriff nehmen. Hoffentlich bleibt es einigermaßen trocken! Ich habe mir vorgenommen, für jeden regenfreien Tag eine Kerze im Trierer Dom zu stiften.




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