Dienstag, 25. September 2012

Tag 2: Köln - Brühl


Heute ist der erste Wandertag. Und ich habe nur 20,5 Kilometer zurückgelegt. Nicht etwa, weil ich erschöpft bin – nein, der Grund liegt darin, dass es hier in Brühl und Umgebung nur relativ teure Hotels ab 50€ aufwärts für eine Nacht gibt und andererseits hier ein Campingplatz vorhanden ist, auf dem ich für unter 10€ übernachten kann. Der Campingplatz liegt am Heider Bergsee, etwas außerhalb der Ortschaft direkt bei der Bundesfinanzakademie. Dort gibt es sogar ein „Steuer-Museum“ (was es nicht alles gibt!).

Die Nacht in der Jugendherberge Köln-Deutz war alles andere als erfreulich: Kinder und Jugendliche alberten bis spät in der Nacht auf den Fluren herum. Ich bekam noch zwei Zimmernachbarn, von denen der eine um 22:00 Uhr auftauchte, der andere um Mitternacht. Der letztere war sogar zu faul, seine Betten zu beziehen und schlief ohne Bettwäsche – ob es dem vor gar nichts graust? 

Pilgerweg am Kölner Dom
Römerkanal - römische Wasserleitung nach Colonia
Gegen 8:00 Uhr bin ich beim Frühstück, anschließend packe ich meine Siebensachen zusammen und stelle fest, dass der Regenschutz gar nicht orange, sondern leuchtgelb ist – ist auch gut! ;-)  Der Rucksack passt perfekt auf mein kleines Pilgerwägelchen. Um 9:00 Uhr heißt es dann: Abmarsch! Ich überquere die Hohenzollernbrücke und folge dem Pilgerweg ab dem Dom. Er ist ganz gut gekennzeichnet – häufig finden sich neben dem offiziellen Symbol auch gelb/blaue Markierungen, die mit Pinsel aufgetragen worden sind. Vielfach ist die Jakobsmuschel „freihand“ gekünstlert. Nachdem ich die City hinter mir gelassen habe geht es auf mehr oder weniger schönen Wegen aus Köln heraus. Teilweise führt der Weg aber auch durch Parks. Der Outdoor-Pilgerführer schlägt sogar vor „wenn Sie die 4 km an dieser unspektakulären Hauptstraße nicht laufen wollen, fahren Sie mit der Linie18 bis…“. So etwas tut ein richtiger Pilger natürlich nicht ;-). Der Jakobsweg führt schließlich parallel zum Römerkanalwanderweg (diente zu römischen Zeiten der Wasserversorgung von Colonia aus der Eifel.)

mein Pilgerwagen
Bei einem Lidl-Markt kaufe ich ein paar Flaschen Wasser – das hat mir doch ein bisschen gefehlt. Ich freue mich, dass ich mein Gepäck auf dem Pilgerwagen nicht spüre, er lässt sich wunderbar leicht ziehen bis….  Ja, plötzlich ist es aus mit dem leichten Ziehen, da das Verbindungsstück zwischen Deichsel und Wagen gebrochen ist. (Glatte Fehlkonstruktion von mir, es waren dort ein paar Bohrungen zu viel, so dass das Material zu stark geschwächt war. So etwas kann auch nur einem Maschinenbau Dipl.-Ing. passieren ;-). Nach kurzem Überlegen finde ich eine Notlösung mit den Resten des Verbindungsstückes, die halbwegs stabil aussieht.

Im Weilerhof (kurz vor Brühl), einer kleinen Privatbrauerei, will ich Rast einlegen und – wie im Pilgerführer empfohlen – ein Bierchen trinken. Leider haben die dort Mittagspause, so dass ich unverrichteter Dinge weiterziehen muss. Ich passiere den Kierberger Bahnhof, auch Kaiserbahnhof genannt. Er ist angeblich einer der schönsten Bahnhöfe Deutschlands, der extra für Kaiser Wilhelm I. gebaut wurde, da dieser oft im Schloss Augustusburg in Brühl übernachtete. Heute ist das Bahnhofsgebäude Hotel und Gaststätte.

Leider ist die Beschreibung des Weges zum Campingplatz im Pilgerführer auch mehr als dürftig, d.h. sie ist schlichtweg falsch, so dass ich einen Umweg von etwa einem Kilometer laufe. Am Campingplatz angekommen, gönne ich mir erst einmal einen schönen Cappuccino, bevor ich mich einchecke und anschließend direkt am See mein Zelt aufbaue.
Mein Zelt auf dem Campingplatz Heider Bergsee




Nachdem ich trotz ein paar Tröpfchen Regen eigentlich nicht nass geworden bin, werte ich den Tag als regenfrei, so dass die erste Kerze fällig wird.

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