Freitag, 28. September 2012

Tag 5: Bad Münstereifel - Blankenheim

Meine Pensionswirtin, Frau Kröger, eine nette alte Dame von etwa 80 Jahren, bereitet mir ein feines und reichhaltiges Frühstück - ich darf mir sogar noch zwei Stullen zum Mitnehmen machen.

Eifellandschaft
Bei blauem Himmel nehme ich die nächste Etappe in Abgriff. Mein heutiges Ziel ist Blankenheim mit einer in einer alten Burg untergebrachten Jugendherberge. Zunächst aber geht es von Bad Münstereifel einmal steil bergauf, so dass ich ein paar Mal Päuschen machen muss. Als ich die Höhe erklommen habe, geht es eiligen Schrittes weiter, den Pilgerwagen im Schlepptau. Der Weg schlängelt sich durch Wäldchen, entlang von Wiesen, teilweise wird die bisherige Anstrengung durch wunderschöne Ausblicke belohnt.  Langsam ziehen wieder dunkle Wolken auf, und ein schneidend kalter, heftiger Wind kommt auf, der mein Fortkommen erschwert. Die Wegstücke durch die Wälder sind absolut einsam, kein Laut ist zu hören, nur das Rascheln der Blätter, das Knarzen der Zweige und ab und zu das Zwitschern von Vögeln.

 Im Wald ist der Weg teilweise sehr schlecht, ich muss zusehen, ohne nasse Füße durchzukommen und mein Pilgerwägelchen unbeschadet aus den Matschlöchern zu bekommen. Mir begegnet außerhalb der Ortschaften kaum eine Menschenseele. ab und zu spreche ich Leute mit Hund an oder unterhalte mich mit einem Bauern, der seinen Kofferraum voll mit Eiern geladen hat. Dann geht es wieder auf lange einsame Streckenabschnitte. 

Ahekapelle Engelgau
Rund 8 Kilometer vor meinem heutigen Ziel sehe ich direkt neben der Straße eine kleine Kapelle, die Ahekapelle Engelgau, wunderhübsch gelegen. und was das Beste ist: Es liegt sogar ein Stempel aus, mit dem man seinen Pilgerausweis selbst stempeln darf (der Stempel ist aber mit einer Kette gesichert, sonst könnte ihn ein frommer Pilger stehlen!). Hier mache ich eine längere Rast und sinniere, ob mir diese Wanderung das gibt, was ich mir erwartet habe. Ich komme zu dem Schluss, dass es vom Weg und von der Landschaft her wirklich viel Spaß macht, dass mir aber die nötige Kommunikation fehlt. Ich brauche einfach jemanden, mit dem ich mich austauschen kann! Anders ausgedrückt: Ich fühle mich einsam. Andere Pilger habe ich nicht getroffen. Ich denke, dass das ein gravierender Unterschied zum Pilgern in Spanien ist, wo man sich manchmal die Einsamkeit suchen muss.

Ahrquelle
Noch 8 Kilometer entlang von fast schnurgerade verlaufenden Waldwegen, und ich habe die Jugendherberge erreicht. Ich mache mich stadtfein, besichtige das kleine Städtchen und die Ahrquelle, die hier entspringt, aber relativ unspektakulär ist. Ich esse bei einem Chinesen mein Abendmenü und steige anschließend wieder zur Burg hinauf.



Stadtansicht Blankenheim - oben die Jugendherberge

Für diejenigen, die meinem Blog bisher gefolgt sind, muss ich nun ein Geständnis machen und sie gegebenenfalls enttäuschen: Bei den Überlegungen an der Ahekapelle habe ich mich entschieden, meine Pilgerfahrt nach nur  90 Kilometern abzubrechen und morgen mit der Bahn nach Hause zu fahren. Nicht die körperlichen Anstrengungen haben zu diesem Entschluss geführt, sondern die Belastungen aufgrund des fehlenden Miteinanders.

Nachdem es heute nicht geregnet hat, sind nunmehr insgesamt drei Kerzen fällig - wird nun wohl nicht in Trier sein, aber ich werde die drei Kerzen bestimmt anzünden!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen